Warum tritt Andrea Ypsilanti als Partei- und Fraktionschefin nicht zurück und befreit damit die hessische SPD nach einem Jahr des politischen Harakiris von der durch sie hervorgerufenen Belastung eines unprofessionellen wie verlorenen Macht-kampfes? Wie kann sie nach 2008 auch nur im entferntesten annehmen, sie wäre in dieser Führungsfunktion ein Gewinn, ja ein Plusfaktor für ihre Fraktion und ihr Land?
Es ist müßig, zum x-ten Mal darüber zu diskutieren, wer nach der Wahl 2008 welchen Fehler gemacht hat oder wie professionell es ist, wenn vier Abgeordnete nur 24 Stunden vor einer internen Wahl ihre Verweigerung ankündigen – feststeht, dass Ypsilanti als Landeschefin – zumindest in dieser Phase ihres politischen Lebens – in einer sehr persönlich gehenden Deutlichkeit nicht gewollt wird. In den Medien finden sich über Ypsilantis Verbleib-Motive kaum bis keine Bemerkungen oder Erklärungen. Meint sie, keinen anderen Job mehr woanders zu bekommen? Und/oder traut sie sich einen Gang in die Selbständigkeit oder gar eine Pause nicht zu? Braucht sie das Geld? Fürchtet sie einen endgültig-endgültigen Gesichtsverlust? Will sie es ihren Lieben, ihren Gegnern und sich selbst noch einmal beweisen? Hält sie Thorsten Schäfer-Gümpel für einen Platzhalter, nach dessen Niederlage sie phönixgleich aus der Asche steigt?
In jedem Fall: Die Chance auf Political Leadership hat sie längst verspielt (was ihr vermutlich egal sein wird), denn die persönlichen Befindlichkeiten derart in den Vordergrund zu setzen, ist – bei aller Notwendigkeit von Machtbewusstsein – unappetitlich, die mangelnde Gegenwehr innerhalb der SPD gegenüber derartigen Anmaßungen aus Sicht der Wähler/-innen bedauerlich.
Aber es sind noch zwei andere Aspekte in diesem Jänner bedauerlich:
1. dass die Medien über nichts anderes als Spekulationen bzw. Vorab-Vereinbarungen zu diversen Koalitionen berichten. Wanderer, kämst Du nach Wochen der Absenz nach Hessen, Du hättest von TV, Funk und Printmedien her keine Ahnung, welche Vision, welche politische Leitidee, auch nur irgendeiner der Spitzenkandidaten für Hessen hätte. Von Obama und dessen proaktiver, offensiver Kommunikationsstrategie scheint keiner hier auch nur irgendetwas gelernt zu haben. Und 2. dass Roland Koch nach insgesamt 10 Jahren an der Spitze Hessens nicht seinen Platz frei macht für ein neues Gesicht in der Landes-CDU. Dass er trotz schwerer Niederlage 2008 und dem Faktum, dass nach einer ganzen Dekade in derselben Führungsposition jede/r – und gerade in der Politik – verschleißt, keine/r mehr für Schwung und Elan glaubwürdig stehen kann, klammert und den durch die SPD verursachten Wieder-Aufschwung der SPD für sich verbuchen will.
So gesehen sind sich Ypsilanti und Koch ähnlicher, als beiden vielleicht lieb ist: darin, das Wohl des Landes hinter die eigenen Machtbedürfnisse zurückzustellen: